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Zaituna: Mediterraner Geschmack und regionale Rohstoffe

Mit seinem Unternehmen Zaituna bringt Ali verschiedene Welten zusammen. Er kommt ursprünglich aus Israel, wohnt und arbeitet aber in der Dresdner Neustadt. Sein Herz brennt für die mediterrane Küche und hier in Dresden baut er Brücken zwischen nah und fern: Denn seine Falafel macht er nicht nur aus Kichererbsen, sondern auch aus regionalen Linsen – vom Landwirtschaftsbetrieb Eckhart Voigt.

Ein Verkostungsstand mit Ali von Zaituna, an dem Falafel probiert werden können

Wie bist du nach Dresden gekommen?
Ich bin Palästinenser und komme eigentlich aus Israel, aber bin im Jahr 1990 für mein Studium der Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftinformatik nach Dresden gezogen. Um das Studium zu finanzieren, habe ich in der Bar 100 in der Dresdner Neustadt im Café und im Weinkeller gearbeitet und Dresden lieben gelernt. Später habe ich hier, eine Etage darüber Zaituna gegründet. Mittlerweile habe ich mehr Zeit hier verbracht als in Israel und fühle mich besonders hier in der Neustadt heimisch.

Was hat dich dazu bewegt, hier dein eigenes Unternehmen zu gründen?
Zaituna gibt es seit 2010. Die Idee kam mir bei einem Besuch in der VG als ganz normaler Kunde. Ich war begeistert vom regionalen Gemüse, vom Käse, von den Cerealien – aber es fehlten gesunde Fertigprodukte, die man sofort essen kann. Bei mir daheim ist es ganz normal, in jedem Supermarkt frische Salate, Hummus oder Falafel zu bekommen. Ich wollte diese kulinarischen Schätze meiner Heimat hierherbringen und die Menschen dafür begeistern.

Warum hast du dich für die Herstellung von Bioprodukten entschieden?
Ich wollte nie 08/15-Produkte anbieten. Meine Eltern waren Bauern, ich bin mit einfachem, aber sehr gutem Essen aufgewachsen. Für mich zählt Qualität, und die finde ich im Bio-Bereich. „Geiz ist geil“ ist für unsere Ernährung ein fataler Weg. Mit guten Bio-Rohstoffen kann ich die besten Falafel machen und mich von der Masse abheben.

Welche Rolle spielt Essen für dich als kulturelle Brücke zwischen Menschen?
Essen bringt Menschen zusammen. Vielfalt sollte nichts Besonderes sein, sondern selbstverständlich – ob politisch, kulturell oder kulinarisch. Ich erinnere mich an ein Fest der jüdischen Gemeinde in Dresden. Dort gab es einen Hummus-Wettbewerb, und der Rabbiner bat mich mitzumachen. Am Ende sagten seine Kinder, dass mein Hummus der beste sei – daraufhin wurde er sogar als koscher zertifiziert. Solche Momente zeigen, dass Essen eine Brücke baut. Heute beliefere ich auch die jüdische Gemeinde in Dresden.

Was macht für dich eine richtig gute Falafel aus?
Entscheidend sind die Rohstoffe. Wie beim Wein schmeckt man, auf welcher Erde Kichererbsen oder Linsen wachsen oder beispielsweise wie viel Sonne sie hatten. Gute Falafel brauchen Zeit: Kichererbsen müssen zwei Tage eingeweicht, geschält und gekocht werden. Frische ist das A und O – deshalb gibt es bei mir keine Produkte, die monatelang haltbar sind. Im konventionellen Handel ist das kaum möglich, aber bei der VG geht das. Das schätze ich sehr.

Warum hast du dich bei deinen neuen Falafeln für Linsen als Rohstoff entschieden?
Die Idee kam von Veronica aus der Bio-Regio-Modellregion. Sie erzählte mir, dass der Bio-Landwirt Eckhart Voigt hier in der Region Bio-Linsen anbaut und fragte, ob man daraus Falafel machen könnte. Wir haben lange ausprobiert, bis das Rezept perfekt war. Ich liebe es, Neues zu entwickeln und die Kombination aus Orient und Okzident macht mir besonders Freude!

Was ist dein liebstes deutsches Essen?
Als Student in der Alten Mensa gab es kaum vegetarische Gerichte. Aber ein Gericht war immer da: Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Dazu Spreewälder Gurken – das habe ich fast jeden Tag gegessen. Heute ist es noch immer mein Lieblingsessen, auch wenn ich es nicht mehr so oft esse.

Warum ist die VG Dresden für dich wichtig?
Für kleine Produzenten wie mich ist es fast unmöglich, ins Regal eines normalen Supermarkts zu kommen. Die VG war mein erster Partner und überzeugt hat damals die regionale Nähe. So konnte ich meine Produkte sogar mit dem Fahrrad direkt anliefern. Seit 2011 verkaufe ich dort meine Produkte, und ich war unglaublich stolz, als sie das erste Mal in den Regalen standen.

Was wünschst du dir für die Zukunft von Zaituna?
Ich wünsche mir, dass Menschen meine Produkte probieren und vielleicht lieben lernen. Noch wichtiger finde ich aber, dass es insgesamt ein größeres Bewusstsein für gute Lebensmittel gibt, auch in Kitas und Schulen. Es wäre schön, wenn dort gesündere Mahlzeiten angeboten würden, vielleicht sogar mit meinen Falafeln.


Die Linsenfalafel von Zaituna entstanden mit dem sächsischen Projekt OLGA, das nachhaltige Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung in Dresden und Sachsen förderte. Ein besonderer Fokus lag dabei auf Hülsenfrüchten wie Linsen, da sie klimafreundlich, nährstoffreich und für regionale Ernährungskreisläufe besonders wertvoll sind. Die Ansätze aus OLGA werden heute in der Bio-Regio-Modellregion Oberes Elbland weitergeführt.


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