Biogemüsehof Gohlis: Frisches Gemüse, neuer Name
Bio hat in Gohlis Tradition: Seit 1997 baut Ines Franz hier vor den Toren Dresdens feines Gemüse in 100% Bio-Qualität an – ohne Pestizide, nur mit natürlichem Dünger und einem Fokus auf saisonale Vielfalt. Auf den bunten Feldern und in drei unbeheizten Folientunneln wachsen über das Jahr verteilt über 30 verschiedene Gemüsegenüsse: von Salaten, Spinat und Spargel über Tomaten, Kürbisse und Zucchini bis hin zu Wurzelgemüsen wie Möhren und Rote Bete.
Mehr als ein Standard: Bio aus Überzeugung
Der Gemüsebau nach ökologischen Prinzipien ist in Gohlis eine Grundüberzeugung, die sich in allen Tätigkeiten widerspiegelt. Seit der Gründung arbeitet man auf dem Biohof ressourcenschonend und nach den strengen Richtlinien des Anbauverbandes GÄA e. V. – mit Kreislaufwirtschaft, vielfältigen Gemüsekulturen, weiten Fruchtfolgen und viel Fläche für Gründungung; dafür ohne Gentechnik, Pestizide und künstliche Dünger. Geliefert wird das Bio-Gemüse natürlich in Mehrweg-Kisten und ohne zusätzliche Verpackung – egal ob Rucola oder Asia-Salate.
Der Bio-Landbau der Zukunft: Spezialisiert, Effektiv, Über-Regional?
Ein vielfältiger und kleinteiliger Bio-Gemüseanbau, ausschließlich festangestellte Mitarbeitende und die Ausbildung von neuen, qualifizierten Gärtner:innen: All das stellt den Gohliser Biohof auch vor schwere Herausforderungen – und das nicht nur angesichts der wachsenden Schere zwischen Lohnkosten einerseits und Verkaufspreisen im Gemüsebereich andererseits. Das gibt auch Ines zu bedenken.
» Hat so ein kleiner Betrieb wie wir noch eine Perspektive?
Da sehe ich viele Fragezeichen. «
Ines Franz
Denn die Bewegung gehe ebenso im Bio-Bereich in Richtung Spezialisierung und Effektivierung – auch zugunsten niedrigerer Preise. „Riesige und spezialisierte Betriebe, die mit großer Technik und Saisonarbeitskräften arbeiten, können ihre Produkte deutlich günstiger als wir anbieten“, meint die Bio-Gärtnerin. Sollte sich auch ihr Hof derart spezialisieren, um mitzuhalten? Das sieht Ines Franz kritisch. Denn der großflächige Anbau von nur wenigen Kulturen auf einigen spezialisierten Betrieben gehe zu Lasten der Biodiversität. Das gleiche gelte für die regionale Vielfalt. Denn größere Betriebe benötigen einen entsprechend großen Absatz, um sinnvoll wirtschaften zu können – und das ist regional meist nicht möglich. Nicht zuletzt würde durch die Spezialisierung auch der Arbeitsalltag monotoner: mit ein und derselben Tätigkeit statt abwechslungsreicher Aufgaben an unterschiedlichen Gemüsekulturen.
Ein neuer Name: Zeit für junge Bio-Pioniere
Wohin also führt der Weg für den Biobetrieb in Gohlis? Hier zeigt sich Ines aufgeschlossen. Es gebe verschiedene Ansätze – ob doch mit weniger oder anderen Kulturen oder gar einer ganz neuen Struktur. Klar ist für sie nur: Sie wird den Stab weitergeben; nun sollen andere entscheiden, wie es weitergehe. Denn dafür brauche es einen jungen Enthusiasmus – eine nächste Generation mit neuem Pioniergeist.
Auf dem Biohof in Gohlis findet dieser Generationenwechsel schon statt: Die Produktionsleitung liegt bereits in den Händen von Jonas Grosche, der FÖJ und Ausbildung auf dem Hof absolvierte. Nach 10 Jahren auf dem Betrieb übernimmt er die Zügel. Der nächste Schritt ist die Umbenennung des Betriebes, mit dem Ines Franz weiter in den Hintergrund tritt. Denn nun ist ihr Name nicht mehr länger Teil des Betriebsnamens. Statt "Biohof Ines Franz" wird ab jetzt der Name "Bio-Gemüsehof Gohlis" auf den Preisschildern in unseren VG Biomärkten stehen.
"Bis jetzt hätten wir es nicht besser machen können"
Ist der anstehende Rückzug aus dem Bio-Betrieb eine Kapitulation? So sieht es Ines nicht; sie blickt zufrieden auf die Fortschritte der letzten Jahrzehnte: „In den letzten 30 Jahren hat sich für Bio unheimlich viel getan. Die gesellschaftliche Anerkennung ist gestiegen und der ökologische Anbau ist viel weiter – Bio-Produkte sind heute fast überall erhältlich.“ Auch der Bio-Hof in Gohlis hat sich gemeinsam mit der VG Dresden entwickelt:
Die anfänglichen 0,5 ha Gemüse-Anbaufläche wuchsen auf 4 ha an, das Hofteam erweiterte sich auf heute 9 Mitarbeitende und das Bio-Gemüse von Ines Franz ist heute sprichwörtlich in aller Munde. Für Ines ist all das auch ein Verdienst der Bio-Pioniere von damals. „Bis jetzt hätten wir es nicht besser machen können“, sagt sie, und fügt hinzu:
» Ich wünsche mir, dass unser Bio-Gemüse aus Gohlis weiterhin so vielen Menschen schmeckt – auch ohne meinen Namen. «
Ines Franz
Weitere Informationen findet ihr in unserem Regionalportrait sowie unter www.biohof-gohlis.de