Der unsichtbare Kreislauf hinter Bio
Was hat dein Käsebrot mit dem Grundwasser in Sachsen zu tun? Wie Lebensmittel produziert werden, beeinflusst direkt, wie gesund unsere Umwelt ist – von fruchtbaren Böden bis hin zu sauberem Grundwasser. Ein Blick auf den Demeter-Hof Mahlitzsch zeigt, wie eng Tierhaltung, Ackerbau und Natur zusammenhängen und warum die Rinderhaltung dort eine zentrale Rolle spielt.
Ein gesunder Boden als Grundlage
Alles beginnt mit einem fruchtbaren Boden: Wenn wir ihm Nährstoffe in Form von Obst und Gemüse entnehmen, müssen sie auch wieder zurückgeführt werden. In der konventionellen Landwirtschaft geschieht das oft mit synthetischem Stickstoffdünger. Biohöfe wie der Hof Mahlitzsch setzen dagegen auf organische Dünger wie Mist oder Kompost.
Das hat mehrere Gründe: Die Herstellung von synthetischem Stickstoffdünger ist energieintensiv und verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen. Außerdem gelangen überschüssige Nährstoffe schnell ins Grundwasser, wenn mehr ausgebracht wird, als Pflanzen aufnehmen können. In Sachsen zeigt sich das Problem deutlich: Rund 18 % der Grundwassermessstellen überschreiten den Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, was als gesundheitsschädlich gilt. Etwa die Hälfte der Messstellen weist insgesamt erhöhte Nitratwerte auf.
Mehr als Milch: Kühe als Kraftpakete für den Boden
Wie ein nachhaltiger Umgang mit Nährstoffen aussehen kann, zeigt der Hof Mahlitzsch bei Nossen. Hier spielt die Rinderhaltung eine zentrale Rolle. Die Kühe verbinden zwei Bereiche der Landwirtschaft miteinander: Tierhaltung und Ackerbau.
Sie fressen Gras und Futterpflanzen von den eigenen Flächen. Im Sommer grasen sie auf der Weide und bekommen frisches Ackerfutter wie Knaulgras, Luzerne, Klee oder Spitzwegerich. Auch Heu mit vielen Rohfasern, das das Wiederkäuen fördert, sowie hofeigenes Getreide und Gras-Silage gehören zur Fütterung. Der Mist der Tiere wird anschließend kompostiert. Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen bauen diesen während der Kompostierung nach und nach ab. Dabei erwärmt sich der Komposthaufen, und der Mist verwandelt sich mit der Zeit in eine dunkle, krümelige und nährstoffreiche Erde.
Ist der Kompost reif, wird er mit einem Miststreuer wieder auf die eigenen Felder ausgebracht. Meist wird er trocken oder leicht angefeuchtet gestreut, sodass die Nährstoffe gleichmäßig verteilt werden und die Pflanzen sie gut aufnehmen können. So entsteht ein natürlicher Kreislauf: Pflanzen ernähren die Tiere und die Tiere sorgen dafür, dass die Böden fruchtbar bleiben.
»Der Mist unserer Kühe ist ein wichtiger Nährstofflieferant für unsere Äcker. Im Zusammenspiel mit abwechslungsreicher Fruchtfolge und gezieltem Zwischenfruchtanbau bleibt unser Boden so vital und fruchtbar.«
Christian Frenzel, Gärtner, Hof Mahlitzsch
Wie Käse und Fleisch zusammen gehören
Eigentlich selbstverständlich: Damit eine Kuh Milch geben kann, muss sie ein Kalb bekommen. Etwa die Hälfte der neugeborenen Kälber ist männlich. In der konventionellen Milchproduktion gelten sie jedoch oft als wirtschaftlich wenig interessant, da Milchrassen auf hohe Milchleistung gezüchtet sind und nur wenig Fleisch ansetzen. Tierschutzorganisationen wie PETA kritisieren deshalb, dass männliche Kälber häufig wie ein unerwünschtes Nebenprodukt behandelt werden.
Viele ökologische Betriebe gehen bewusst einen anderen Weg: Die Tiere sollen unter guten Lebensbedingungen, möglichst auf dem Hof oder zumindest in der Region aufwachsen, hier geschlachtet und vermarktet werden. So bleibt unser Lebensmittelkreislauf vor Ort geschlossen und Tierleid wird vermieden. Auf dem Hof Mahlitzsch werden dafür Simmentaler Kühe gehalten, eine Zweinutzungsrasse, die nicht nur Milch gibt, sondern auch Fleisch ansetzt.
»Fleisch entsteht zwangsläufig aus der Milchproduktion, weil Kühe nur Milch geben, wenn sie Kälber bekommen. Ein Teil der Kälber wächst zu Milchkühen heran, der andere Teil zu Mastrindern – deshalb gehört die Verwertung von unserem hochwertigen Fleisch genauso zur Philosophie wie die Veredlung der Milch.«
Friedrich Matthes, Landwirt, Hof Mahlitzsch
Dein Einkauf ist Teil des Kreislaufs
Boden, Pflanzen, Tiere und unsere Lebensmittel stehen in engem Zusammenhang. Ökologische Landwirtschaft zielt darauf ab, diese Verbindungen zu erhalten und sinnvoll zu nutzen.
Und so schließt sich der Kreis: Auch dein Käsebrot ist Teil dieses Zusammenspiels. Wer regionale Bio-Produkte kauft, unterstützt genau diese Form des Wirtschaftens und trägt dazu bei, dass natürliche Kreisläufe erhalten bleiben. Weil wir diese Kreislaufwirtschaft besonders wertvoll finden, könnt ihr Rindfleisch vom Hof Mahlitzsch derzeit direkt in all unseren VG-Biomärkten beziehen.
Geht Landwirtschaft auch ohne Tiere?
Es gibt Ansätze für bio-veganen Ökolandbau, bei dem auf Tierhaltung verzichtet wird. Die Böden werden dort vor allem mit Gründüngungspflanzen wie Klee oder Luzerne sowie mit Kompost aus Pflanzenresten versorgt, allerdings ist dies nicht so einfach. Solche Betriebe sind bisher extrem selten und betreiben bio-vegane Pionierarbeit.
Praxis ist: Biohöfe ohne eigene Tiere beziehen organische Dünger normalerweise von von anderen Tierhaltungsbetrieben in sogenannten Mist-Kooperationen. In der biologischen Landwirtschaft ist die Tierhaltung deswegen Standard.